12.09.2015, Samstag (Reisetagebuch Tag 9)

12.09.2015, Samstag (Reisetagebuch Tag 9)

Hallo ihr Lieben!

Endlich haben wir es wieder geschafft. Tag 9 ist fertig.

Viel Spaß:)

12.09.2015, Samstag

Heute morgen ist auch wieder alles so wie immer und wir können um 10 Uhr aufbrechen. Auf einem Schild sehen wir, dass es noch gute 15 Kilometer bis Nikkaluokta sein sollen. Etwas weiter wollen und müssen wir an diesem Tag schon gehen, denn hinter Nikkaluokta müssen wir noch ein gutes Stück über eine Straße wandern, um dann wieder in den Wald abbiegen zu können. Von dort aus, ist die Idee über einen Abstecher bei der Vistasstugan vorbei zu gehen und dann wieder gen Norden nach Abisko zu wandern. Dabei würde am Ende noch das Highlight, Lapporten auf uns warten. Aber soweit sind wir noch längst nicht…erstmal müssen wir heute bis hinter Nikkaluokta kommen. Wir wandern also in unserem normalen Tempo los und können dieses auch am heutigen Tag einigermaßen gut halten. Es geht sehr viel bergauf und bergab, dies allerdings auf sehr steiler Strecke, was natürlich recht anstrengend ist und wir dadurch auf der gesamten Strecke viel mehr Zeit benötigen als gedacht.

Ab und an standen Schilder am Wegesrand mit Kilometerangaben…

Irgendwie messen die Schweden aber ihre Kilometer anders als wir 😉 Mal steht auf einem Schild, dass es noch 30 km bis zur Vistasstugan sind und ein paar Kilometer später sind es auf einmal 35km…recht merkwürdig, aber nun gut…

Als uns dann endlich die ersten Wanderer mit kleinen Tagesrucksäcken entgegen kommen, sind wir ein bisschen erleichtert… So weit kann es ja dann nicht mehr sein.

Denkste!!! 😛

Denn nach 2 Stunden müssen wir mal wieder fest stellen, dass wir da falsch liegen! 🙁

Es ist schon weit nach 16 Uhr als wir Nikkaluokta überhaupt erst erreichen. Anscheinend soll es dann heute ein langer Tag werden, denn wir müssen ja noch die knapp 3 km über die Straße laufen und dann in den Wald abbiegen…und zu guter Letzt natürlich noch einen Zeltplatz finden. Also heißt es: Zähne zusammenbeißen und durch!

Das ist aber leichter gesagt als getan.

Der Weg auf der Straße ist nach einer Woche wandern auf nun für uns normalen unebenen Boden sowas von unangenehm. Es fahren zwar nicht viele Autos und die die fahren, sind langsam an uns vorbei, aber nach so langer Zeit ist ein Auto mit 30 km/h, was einen vorbei fährt, doch schon sehr schnell, laut und es stinkt abartig. Es ist immer wieder erstaunlich, wie extrem man Gerüche ausblendet. Nach einer Woche nur Natur, findet man es fast unerträglich neben einem Auto herzulaufen…irgendwie unbegreiflich.

Wir sind alle froh, als wir einen kleinen Parkplatz/Rastplatz erreichen und Pause machen können. Auf dem Rastplatz stehen auch mehrere Wohnmobile und nachdem wir es uns auf einer Bank gemütlich gemacht haben, steigt aus einem Wohnmobil ein älteres finnisches Pärchen aus. Die beiden haben uns dann auch angesprochen und fragten ganz neugierig woher wir denn kommen? Und vor allem: Wie das denn so mit den Hunden klappt? Und wo schlafen würden? Und all solche Fragen. Als wir erzählen, dass wir von Abisko bis hierher gelaufen sind und wieder rauf nach Abisko laufen wollen, waren die Zwei ganz besorgt um uns. Wir können doch auch von Nikkaluokta mit dem Bus wieder nach Abisko fahren 😀 Das ist doch dann nicht so anstrengend… Wir nehmen den guten Rat natürlich zur Kenntnis, aber erklären auch dann, dass wir das alles so geplant haben usw.

Nach dem netten und kurzen Gespräch machen wir uns dann aber auch schon wieder auf den Weg, denn es ist ja schon spät und wir müssen noch immer einen Zeltplatz finden. Blöd ist, dass uns nach relativ kurzer Zeit auf dem Weg das Wasser ausgeht und wir keine Möglichkeit haben aufzufüllen. Es ist einfach tierisch warm heute und wenn man natürlich so lange unterwegs ist, bekommt man schnell Durst. Die 0,5L Flasche ist heute leider auf diesen langem Stück nicht ausreichend. Sonst ist das kein Problem, denn ein Fluss oder See war immer in der Nähe, aber ausgerechnet an diesem langem Tag ist natürlich keiner da. Da haben wir wohl etwas blöd  und naiv geplant.

Man lernt eben nie aus 😉

Ziel ist es also nun, mindestens zum ersten Fluss / Bach zu kommen, der den Weg im Wald, laut Karte, auch kreuzt. Das sind aber noch gute 4 km…

Nachdem wir auf den Wanderweg abbiegen und die Straße hinter uns lassen, wird der Weg *natürlich* unwegsam. Steine, Schlamm und kleinere Felsen erschweren das Vorankommen erheblich. Die brüchigen Planken tragen nicht gerade zur Verbesserung bei. Der Weg ist auch so schmal, dass man rechts und links in den Büschen und Bäumen hängen bleibt. Aber das Ganze ist nun mal so und es wird auch wieder besser werden. So ist das manchmal. Man kann noch so gut planen, wie man möchte, in der Realität sieht das Ganze wieder anders aus und die Kunst ist es, hieraus das Beste zu machen. Das mag im Moment schwierig erscheinen, wir haben uns aber noch nie unterkriegen lassen und sagen uns, dass wir dass auch so schon schaffen 🙂

Wir kämpfen uns also tapfer durch das Gestrüpps und wandern einfach weiter. Gegen 17:45 Uhr halten wir nochmal Kriegsrat, denn ein klein bisschen mulmig ist uns schon zu Mute. Wir haben alle Durst, immer noch kein Wasser gefunden und das Gelände rechts und links vom Weg bietet noch nicht mal die Möglichkeit ein Zelt aufzustellen.

Ob wir heute noch Wasser oder einen passenden Zeltplatz finden werden? Wir können es wirklich nicht abschätzen…

Ob die Bear Grylls Überlebenstechniken heute das erste Mal angewendet werden müssen?! 😉

Wir müssen es heraus finden und wandern also weiter. Gegen 18:45 Uhr finden wir dann aber tatsächlich einen kleinen Fluss, oder besser gesagt einen Bach. Die Hunde und wir stürzen uns regelrecht auf das Wasser und trinken gefühlte 5 Liter in 2 Sekunden. Danach sieht die Welt auch nicht mehr ganz so schlimm aus. Bisher sind wir allerdings noch immer nicht an einem, auch nur minimal geeigneten, Zeltplatz vorbeigekommen. Es ist viel zu felsig oder der Bewuchs ist viel zu dicht. Ohne Rucksack geht Dany dann einmal kurz vor und tatsächlich, wo Wasser ist, ist auch ein Zeltplatz 😉 Zwar kein schöner Platz, aber immerhin grade groß genug, dass das Zelt so hinpassen sollte.

Ruckzuck wird das Zelt aufgebaut, alles reingepackt, schnell noch was gegessen…so schnell waren wir bestimmt noch nie…und so fertig wie heute, waren wir selbst am Tag der Tjäktapassüberquerung nicht…

Um 20:30 Uhr ist dann der Tag für uns geschafft und als wir so eingemummelt im Schlafsack liegen, freuen wir uns doch ein wenig und sind stolz auf uns: Denn so lange sind wir bisher noch nicht am Stück gelaufen! 🙂 (Zumindest nicht dann, wenn es so anstrengend war)

Zur Info: Als wir wieder daheim waren, haben wir mit Hilfe von GoogleMaps gemessen, dass es an diesem Tag knappe 27 km gewesen sind.

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