17.09.2015, Donnerstag (Reisetagebuch Tag 14)

17.09.2015, Donnerstag (Reisetagebuch Tag 14)

17.09.2015, Donnerstag

Heute Nacht war es leider wieder bewölkt und wir konnten keine Polarlichter sehen. Dany hat es geschafft zwei Mal aus dem Zelt zuschauen, aber außer den nächtlichen Wolken war nicht viel zusehen.

An diesem Morgen haben wir die schlimmste Moskito- Belagerung auf der ganzen Tour. Dennis geht vor kurz vor die „Zelttür“ und meint schon, dass es viel zu viele Mücken da draußen sind…. „Ja ja, wahrscheinlich so wie in den letzten Tagen…“ denkt sich Dany…

Als Dennis wieder ins Zelt kommt, bringt er erstmal knapp 40 ungebetene Gäste mit rein. Eine halbe Stunde veranstalten wir dann im Zelt eine Jagd auf Kriebelmücken.

Während dem Frühstück lassen wir aus Sicherheitsgründen das Moskitonetz zu. Die Außenwand vom Zelt ist an einigen Stellen zwischenzeitlich richtig schwarz. So viele Mücken haben wir bisher noch nicht gehabt. Uns ist auch noch nicht ganz klar, wie wir das Zelt abbauen und gleichzeitig noch uns und die Hunde möglichst frei von Mücken halten sollen. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen wird das Wasser fürs Frühstück im Vorzelt gekocht. Wir schieben alles durch einen mini Schlitz ins Vorzelt und nur die Hände sind grade lange genug draußen, um den Brenner zu zünden und den Topf darauf zu stellen. Eigentlich fehlen nur noch Gummihandschuhe, dann wäre so ein bisschen wie im Labor…

Während des Frühstücks kommt ein bisschen Wind auf und die Mücken haben sich auf eine mehr oder weniger erträgliche Anzahl reduziert. Im Zelt packen wir wieder so weit es geht, alles ein. Danach muss es auch alles sehr schnell gehen: Dennis geht mit den Hunden auf und ab, Dany packt das Zelt ein und schon sind wir weg von diesem Platz.
Ein paar hartnäckige Mücken verfolgen uns, als der Wind aber stärker wird, geben sie aber schließlich auf und verziehen sich.

Wir waren den Weg ja zuvor schon in die andere Richtung gelaufen, aber dass sich das Stück bis zur Abiskojaurestugan so weit zieht, das hatten wir entweder vergessen oder verdrängt.

Bis 16:30 Uhr schieben wir uns dann über bekannte Strecke bergauf und bergab. Kurz bevor wir wieder den Abisko Nationalpark betreten, machen wir noch eine Pause. Die Sonne hat es tatsächlich geschafft die Wolken zu verdrängen und lacht vom Himmel zu uns hinab. Eine leichte Brise vertreibt die Moskitos. Wir legen die Rucksäcke ab und machen es uns im Moos so richtig gemütlich. Die Bäume und die Landschaft an sich hat sich in zwei Wochen vollkommen verwandelt. War vor zwei Wochen hier noch alles grün, triumphieren jetzt die Farben Gelb und Gold.
Die Jungs rollen sich zum Dösen zusammen und auch wir strecken uns aus. Ein bisschen gedöst haben wir wohl alle, denn als wir auf einmal auf die Uhr schauen, ist es eine halbe Stunde später…wo die halbe Stunde bloß hin verflogen ist..
Wir können es nicht so genau sagen. Aber entspannend war es allemal. Ein kleines Stückchen müssen wir heute noch gehen. Bis zur Stugan ist es aber nicht mehr weit.

Also auf in den Abisko Nationalpark und noch ein bisschen bergauf und bergab. Dann geht es noch über die Hängebrücke und schwupps sind wir da. Kommt einem hier alles bekannt vor…

Bei der Stugwärtin melden wir uns wieder an und beziehen dann auch gleich unseren Zeltplatz. Und so schließt sich der Kreis. Wir bauen das Zelt am gleichen Platz auf, den wir vor knapp 2 Wochen genommen haben. Irgendwie ein merkwürdiges Gefühl.

Die Stugwärtin weist uns extra drauf hin, dass wir keine Lebensmittel im Zelt lagern sollen. Entweder wir bringen unser Essen also in die Küche und lassen es dort oder wir hängen es über Nacht in die Bäume… oh weh… Was geht hier denn für ein Tier um? Bei unserem ersten Besuch war das alles noch nicht nötig. Ob ein Vielfraß hier sein Unwesen treibt? Man macht sich ja so seine Gedanken, aber diese Gedanken kamen uns dann erst beim Zeltaufbau.
Im ersten Moment haben wir gar nicht kapiert, was das bedeuten könnte. Wir also nochmal los und nachgefragt. Ja, wir sollen die Lebensmittel nicht im Zelt aufbewahren, denn es geht tatsächlich eine Plage um… Aber kein wilder Vielfraß reißt die Wanderer aus dem Schlaf und räubert die Zelte aus…nein, es sind Mäuse…
Dagegen können wir uns wohl noch wehren. Außerdem haben wir ja unseren kleinen König, den Mäuseschreck Bentley dabei. Wir können also beruhigt schlafen.

Unser Abendessen haben wir dann in der kleinen Küche der Stugan gekocht. Hunde dürfen diesen Raum leider nicht betreten. Den zwei Jungs reden wir dann nochmal ins Gewissen, dass sie sich bitte benehmen sollen und nicht das Zelt abreißen, während wir kurz weg sind. Wir haben die Zwei zwar schon öfters alleine ins Zelt gepackt, aber bisher waren wir immer nur knapp 5-10 Meter entfernt. Jetzt gehen wir mal eben knapp 30 Meter weg und sind auch noch in einem Haus. Da bekommen wir nicht mit, wenn die Jungs Unfug anstellen.

Aber am Ende stellt sich raus, wir hätten uns keine Gedanken machen müssen.
Die beiden waren so müde, die haben nicht mal mitbekommen, dass wir weg waren. Und wir waren knapp 50 Minuten unterwegs. Wir haben uns Zeit gelassen und es mal wieder richtig genossen an einem Tisch mit Stühlen und richtigem Geschirr zu essen. Vom Fenster der Küche aus konnten wir das Zelt gut sehen. Von daher waren die Jungs nicht ganz ohne Beobachtung. Einer von uns hatte immer ein wachsames Auge zum Fenster raus.

Abends im Zelt kommt man ja immer mal wieder ins Grübeln. Wie groß die Welt ist, wie klein man selber ist, was für wahnsinnige und fantastische Dinge die Natur so zu Stande bringt,  usw.

Vor genau einer Woche haben wir (ironischer Weise) am südlichsten Punkt unserer Reise Polarlichter gesehen.

Wie viele Dalmatiner und Cairn Terrier wohl schon so weit oben im Norden waren und Polarlichter gesehen haben?

Ob die Jungs wissen, dass sie Teil von etwas besonderem waren?

Zumindest haben wir alle gelernt wieder etwas mehr aufeinander zu achten. Zu Hause geht man seine Wege, die Hunde wie auch wir. Natürlich sitzt man abends zusammen auf dem Sofa und schaut fern oder liest ein Buch. Aber so wie hier, 24h und sieben Tage die Woche zusammen zu sein stärkt die Bindung schon ungemein. Besonders bei Bentley merkt man das. Zu Hause ist er eher derjenige, der sich zurückzieht und in Ruhe gelassen werden will. Nach einigen Tagen hier draußen ist Bentley von sich aus angekommen und wollte geschmust werden. Das wäre uns zu Hause nicht passiert und freut uns sehr.

Und wieder kommt so ein leichtes „wir sind stolz auf uns“-Gefühl in einem hoch. Natürlich haben wir nur eine kleine Strecke hinter uns gebracht, aber für uns ist das schon viel. Und das alles zu Fuß und ohne großartige Hilfsmittel.
Wir haben bis hierhin ein wunderbares Fleckchen Erde bewandert, viele nette Leute getroffen und auch einiges über uns selbst gelernt. Wir durften unser Zelt jeden Abend an einem spektakulären oder einfach nur gemütlichen Platz aufstellen und morgens ist man mit einer (meist) gigantischen Sicht auf die Berge aufgestanden.

Einerseits freut man sich, bald wieder in einem richtigen Haus zu sein. Andererseits könnte es noch ein Weilchen so weitergehen wie bisher (vielleicht mit einer Dusche zwischendrin 😉 )…

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