10.07.2016: Geisterort Immerath (Erkelenz)

10.07.2016: Geisterort Immerath (Erkelenz)

Bei dem super Wetter haben wir die Chance genutzt und uns mit Tom und Jasmine verabredet. Das Ziel unseres Ausfluges war diesmal auch gar nicht so weit entfernt. Den kleinen Ort Immerath wollten wir besuchen.

Aber was gibt es denn in Immerath?

– Nichts! Absolut Nichts. 

Gut, ganz stimmt das nicht, es wohnen noch ganz wenige Menschen in dem Ort, der bald nicht mehr existent sein wird, denn kurz vor Immerath wird Braunkohle abgebaut. Und das nicht zu knapp. Der Tagebau Grazweiler II ist riesig. Einerseits sehr beeindruckend und interessant, andererseits aber auch bedrohlich. Das bekommt Immerath am eigenen Leib zu spüren. Seit 2006 werden die Menschen von dort nach Neu Immerath umgesiedelt. Diese Umsiedlung soll 2016 abgeschlossen werden, damit im Jahr 2017 auf dem Gebiet Braunkohle gefördert werden kann.

Eine kleine Geisterstadt direkt in der Nähe, dass mussten wir uns natürlich anschauen, bevor sie nicht existiert.
Bereits bei der Anfahrt haben wir gemerkt, dass hier wirklich fast niemand mehr wohnt. Alle Fenster und Türen sind mit Brettern vernagelt oder die Rollläden sind heruntergelassen. Die Natur holt sich die Vorgärten und Gärten zurück. Die Straßen sind wie leer gefegt und es ist (außer einigen wenigen Autos, die durch den Ort fahren) keine Menschenseele zu sehen.
Wer, wie wir vom Dorf kommt, der kennt den typischen Sonntag-Nachmittag: die Bordsteine sind „hochgeklappt“ und es ist auch fast niemand auf der Straße. Aber hier war es dann doch anders.
Die teilweise schon verfallenen Häuser, sowie die ungepflegten Straßen und Gehwege vermitteln ein merkwürdig beklemmendes Gefühl. Besonders komisch wurde es dann, als wir die alte Kirche des Dorfes erreicht haben. Ein riesiger Bau, der langsam verfällt. An einigen Stellen bröckelt die Fassade, die Türen sind heruntergekommen und alles in allem vermittelt es den Eindruck als wäre man in einem Horrorfilm. Zum Glück hatten wir strahlenden Sonnenschein 😉
Die Pfarrkirche St. Lambertus, auch als „Dom von Immerath“ bezeichnet,  wurde von 1888-1891 gebaut. Jetzt, 123 Jahre nach ihrer Einweihung, wurde sie am 13.10.2013 entwidmet und 2014 an RWE Power zum Abriss übergeben. Die Toten des katholischen Friedhofs wurden ebenfalls umgebettet und finden jetzt ihre letzte Ruhe auf dem neu angelegten Friedhof in Neu-Immerath. Über einen fast leeren Friedhof zu gehen war auch eine ganz merkwürdige Sache.

Das Haus Nazareth war früher das „Kloster Haus Nazareth“. 1902/ 1903 wurden Kloster, Kapelle und ein Krankentrakt gebaut. Bereits 1904 lebten dort 95 Kranke. Im Jahr 1921 wurde das Kloster dann zu einer Erziehungsanstalt für schulpflichtige „Fürsorgezöglinge“ und bekam 1926 dann auch den Namen „Haus Nazareth“.  125 Menschen fielen zwischen 1940 – 1944 den nazionalsozialistischen Ideologien zum Opfer. Die Patienten wurden nicht, wie der Öffentlichkeit berichtet wurde, verlegt, vielmehr führte ihr Weg in die Tötungsanstalten der Nazis. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Haus Nazareth zum Lazarett umfunktioniert und diente zwischenzeitlich sogar als Kreiskrankenhaus. Nachdem das Krankenhaus in Erkelenz, welches im Krieg zerstört wurde, neu aufgebaut war, diente das Kloster als Altersruhestätte für Schwestern. 2001 wurde es schließlich aufgelöst.

So viel der kurze Ausflug in die Geschichte…Begeben wir uns doch wieder zurück in die Gegenwart…

Ein Sicherheitsdienst fährt regelmäßig durch den Ort und schaut, dass niemand in die leerstehenden Gebäude einbricht. An einigen Stellen konnte man deutlich die Versuche erkennen, aber die Häuser sind zu gut verriegelt. Was uns aber tatsächlich mal gereizt hätte, wäre beispielsweise in die alte Kirche oder das alte „Haus Nazareth“ zu gehen. Das wäre mit Sicherheit interessant gewesen, aber leider verboten. Und gegen das Gesetz wollen wir schließlich nicht verstoßen.

Also: Falls ihr mal Zeit und Lust habt solltet ihr euch das kleine Örtchen wirklich mal ansehen. Es gibt viel zu sehen und eigentlich auch doch nicht….


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