06. – 07.07.2018: Rhein Ahr Marsch

06. – 07.07.2018: Rhein Ahr Marsch

Obwohl dies ein Ausflug war, den ich (Dany) ganz alleine gemacht hat, wollen wir euch diesen nicht vorenthalten, denn es handelt sich um eine Wanderung der besonderen Art.

Der Rhein Ahr Marsch!

Als ich mich vor knapp 6 Monaten mit einer Freundin angemeldet habe, haben wir noch gedacht „Naja, da ist ja noch genug Zeit zum trainieren.“

Aber wozu sollen wir denn trainieren, ein bisschen wandern können wir doch auch so, oder?

Nicht ganz, denn es geht darum 100km in 24 Stunden zu bewältigen. Das ist schon eine ordentliche Strecke und das Tempo, welches man da halten muss ist auch nicht ganz ohne und das dann auch noch ohne Schlaf.

Nun denn, irgendwann war denn dann der Tag gekommen (06.07.2018) und ich musste leider alleine los. Meine Wanderbegleitung hatte sich kurz vor dem Termin  so stark verletzt, dass die Wunde am Bein noch genäht werden musste und da gab es vom Arzt noch kein OK für eine solche Belastung.

Dennis hat mich also am 06.07. nachmittags nach Rheinbach gefahren. Dort habe ich ohne lange warten zu müssen im Station meine Startnummer bekommen. Danach habe ich noch ein bisschen auf der Stadionwiese gesessen, ein Bier getrunken, Würstchen gegessen und mir die anderen Teilnehmer so angeschaut. Die sahen zum teil schon etwas durchtrainierter und ambitionierter aus….

Wahrscheinlich haben die auch alle schön trainiert und sind gut vorbereitet. Natürlich habe ich nicht 1x mehr als 20km in meinem Training absolviert. Irgendwas kam immer dazwischen oder ich hatte einfach keine Lust :S Das kann ja was werden….

Um 20 Uhr ging es in Rheinbach los, hier sind nur die 100km Startet gestartet. In Remagen, nach 50km, kommt am Morgen um 8 Uhr dann die nächste Gruppe dazu. Die Teilnehmer werden, mit den 100km Startern, die restlichen 50km zurück nach Rheinbach durch das Ahrtal wandern.

Die riesige Gruppe setzt sich nach einem kurzen Briefing und einer kleinen Startzeremonie in Bewegung. Am Anfang hat man gar keine andere Wahl als das Tempo der andern mitzugehen, die Masse schiebt einen weiter. Es waren immerhin (glaube ich gehört zu haben) knapp 600 Starter. So geht es also die ersten Meter los und wir wurden von den Zuschauern tatkräftig angefeuert, das kurze Stück durch Rheinbach wurde auch von vielen guten zurufen und Anfeuerungen begleitet. Die Polizei hat die Straßen gesperrt bis die Gruppe vorbeigezogen ist. Die Autofahrer müssen sich auch gewundert haben, was denn da los ist. Recht schnell sind wir dann auf Feldwegen gelandet und so haben wir dann km nach km abgespult.

Die Beine fühlen sich gut an, es ist nicht zu warm, die Sonne geht langsam über den Feldern unter und es ist ein schöner Anblick. Wir erreichen den ersten Versorgungspunkt nach 10,08km. Hier wurden wir mit Wasser, Eistee und Energieriegel versorgt. Nach einer kurzen Pause, ich kann nicht gut im Gehen essen, ging es dann auch schon weiter.

Der nächste Versorgungspunkt war bei km 18,6. Hier war es bereits dunkel und die Stirnlampen und Rücklichter haben die Waldwege beleuchtet. Ich selber hatte ein großes Knicklicht hinten am Rucksack, damit mir keiner aufläuft. Zu Beginn war ich in einer größeren Gruppe unterwegs und brauchte meine eigene Stirnlampe nicht, da sich die Gruppe nach dem kurzen Stopp am Versorgungspunkt aber aufgeteilt hat, habe ich danach ein Stück des Weges alleine zurückgelegt und musste mein eigenes Licht anschalten. Also wirklich alleine ist man nicht, man hatte immer Menschen um sich herum, aber es war so viel Platz, dass man sich nicht zwangsläufig unterhalten musste. Am Versorgungspunkt gab es auch zwei Dixi WCs. Sogar mit fließend Wasser und Spülung. Da war natürlich der Andrang bei den Damen etwas größer als bei den Herren und so habe ich eine etwas längere Zwangspause gemacht. Hier habe ich dann auch schon gemerkt, dass meine Füße, Schuhe und Socken sich heute wohl eher nicht so gut verstehen- Komisch, denn sonst ist die Kombi eigentlich immer sehr gut. Am ersten Versorgungspunkt hatte ich schnell noch die Blasenpflaster grob auf die Scheuerstelle an der A-Sehne geklebt, denn durch die Hitze sind meine Füße offensichtlich so sehr angeschwollen, dass die Schuhe doch etwas drücken. Das kann ja noch was werden.. Wir sind ja erst bei knapp 20km! Mittlerweile ist es dann auch schon fast 23 Uhr.

Durch die Nacht ging es dann weiter bis zum Versorgungspunkt Nummer 3. Bei km 23,3 gab es auf dem Sportplatz Pech Eistee, Wasser, Würstchen, Kaffee, Waffeln und noch so einiges mehr. Hier habe ich dann um 00:28 Uhr eine etwas längere Pause gemacht und mich sogar mal gewagt die Schuhe auszuziehen. Hätte ich das mal lieber gelassen. Das blöde Pflaster hatte sich natürlich , wie könnte es auch anders sein, an den Socken geklebt und als ich diesen ausgezogen habe, habe ich nicht nur das Pflaster von meiner Haut entfernt, sondern noch ein knapp 2Euro großes Stück Haut direkt mit von der Achillessehne gezupft. Da kommen im ersten Moment dann doch die Tränen in die Augen- das zwiebelt ganz schön.

Was nu? Das ist ja schon irgendwie doof… und tut weh :S

Aufgeben und nach Hause fahren, gibt es jetzt noch nicht. Zumindest die 50km sind das kleinste Ziel, was ich auf jeden Fall erreichen will. Also werden die Füße wieder in die Socken und dann in die Schuhe gestopft. Kein schönes Gefühl und auch die ersten Schritte sind nicht ganz so angenehm. Aber Augen zu und durch, nach dem ersten km hat man sich an die Schmerzen gewöhnt und es geht eigentlich wieder ganz gut.

Bei km 32,8 gab es den nächsten Stopp. Hier nach geht es weiter an den Rhein. Mittlerweile müsste es irgendwas gegen 03:00 Uhr sein. Die Stimmung ist gut und derweilen haben sich die Wanderer soweit aufgeteilt, dass ich zwischendurch schon schauen muss, dass ich nicht ganz alleine unterwegs bin. So mutig bin ich dann doch nicht 😉- Ist ja doch ganz schön dunkel!

Nach einem WC Stopp und belegtem Brot mit Käse hänge ich mich also an eine kleine Gruppe dran und verfolge diese. Die A-Sehnen schmerzen und angenehmes wandern ist tatsächlich anders, aber es geht trotzdem noch weiter. An km 39,5 ist der Versorgungspunkt an einem Campingplatz. Hier steht ein richtiger WC Wagen und ich kann in Ruhe Hände und Gesicht waschen, bevor ich mit Essen und Getränken versorgt werden. Während ich da so sitze und die Leute um mich herum beobachte humpelt ein junger Mann mit seiner Freundin / Frau auf einen der Helfer zu. Die beiden geben auf. Der arme Kerl kann fast gar nicht mehr laufen. In meiner Pause geben noch einige andere auf. Irgendwie spornt mich das dann wieder an, noch ein Stückchen weiter zu gehen- so schlecht geht es meinen Füßen ja noch nicht. Zumindest bis nach Remagen möchte ich kommen.

Langsam geh ich also weiter. Gehen ist dann doch übertrieben, ich schiebe die Füße voreinander her, denn im Sprunggelenk abknicken, das tut schon sehr weh, da alles an den aufgerissenen Stellen reibt und scheuert. Dafür ist die Aussicht auf die über dem Rhein aufgehende Sonne sehr schön und mit jedem Meter den sie höher steigt merkt man schon, dass es ein warmer Tag werden wird. Bis jetzt war ich ohne Jacke und nur im dünnen Funktionsshirt Unterwegs. Die Jacke hatte ich zwar mit, habe diese aber nur in den Pausen gebraucht. Da wurde es doch recht schnell kalt, ansonsten war die Bewegung ausreichend, damit man nicht auskühlt.

10 km vor Remagen habe ich dann beschlossen, dass es reicht. Die Fersen tun zu weh und es macht keinen Sinn so weiter zu gehen. Vor allem nicht, weil es nachher noch in die „Berge“ geht und am Freitag steht auch noch der 10km Kölner Zoolauf an. Den möchte ich nun wirklich nicht verpassen (Dazu wird es noch einen separaten Beitrag geben). So rufe ich dann gegen (ich meine) 5:30 Uhr Dennis an, dass er mich doch bitte in knapp einer Stunde in Remagen einsammeln soll.

Der Mann ist also auf dem Weg und ich schaffe es auch nach Remagen. Dort melde ich mich ab, werde noch gefragt, ob alles in Ordnung ist, ich Hilfe brauche und wie ich nach Hause komme. Die netten Damen kümmern sich wirklich gut um einen und dann bekomme ich schon meine Urkunde in die Hand gedrückt. Immerhin 50km in 10: 40 Stunden 😊 Das ist doch gar nicht so übel, wenn man bedenkt, dass ich eigentlich gar nicht trainiert habe.

Jetzt ist aber doch der Ehrgeiz geweckt! Das kann ich doch irgendwie nicht auf mir sitzen lassen. Die 100km werden schon noch geknackt werden. Das nächste Event ist schon rausgesucht, jetzt nur noch anmelden und dann trainieren. Mal sehen ob es im September dann mit den 100km klappen wird

 

Ich bin gespannt!

Lieben Gruß

Dany

 

 

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